Taylor Swifts weißes Afrika

Taylor Swifts weißes Afrika

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Für ihr neues Video zu „Wildest Dreams“ muss Taylor Swift ordentlich Kritik einstecken, denn es zeigt die wundervollen Landschaften und Tiere von Afrika – allerdings ohne Schwarze.

Foto: Taylor Swift von mobu27, CC BY-ND 2.0, flickr

Eine grüne Savanne irgendwo in Afrika, Wasserfälle, Sonnenuntergang, rennende Zebraherden, Löwen, Giraffen und mitten drin eine Liebesgeschichte ohne Happy End. Das ist die Kulisse von Taylor Swifts neuem Video „Wildest Dreams“, welches bei Youtube schon über 19 Millionen Klicks hat.

Die Handlung steht in Anlehnung an die Affäre Elisabeth Taylors und Richard Burtons während den Dreharbeiten zu „Cleopatra“. Zwei Schauspieler, die sich am Set ineinander verlieben, aber diese Liebe nicht zurück nach Hollywood bringen können. Gedacht ist die Szene im Jahre 1950 und erinnert mit den hellen Hemden, kakifarbenen Hosen und Tropenhelmen sehr stark an Kolonialzeiten. Sehr auffällig dabei: Es sind nur weiße Menschen zu sehen!

Genau diese Gegebenheiten rufen jetzt von allen Seiten Kritiker_innen auf den Plan. Denn der Clip zeigt im Grunde ein Afrika, wie es Weiße gerne zur Kolonialzeit gehabt hätten und verherrlicht somit diese historische Epoche. Dieser Meinung sind neben vielen Kritiker_innen in unterschiedlichen Blogs und auf Twitter auch die Autor_innen des öffentlichen US-Radiosenders NPR, Viviane Rutabingwa und James Kassaga Arinaitwe. So schrieben sie auf ihrer Webseite: „Wir sind schockiert, dass im Jahr 2015 Taylor Swift, ihr Plattenlabel und ihre Video-Produktionsfirma denken, dass es okay sei, ein Video zu machen, das eine glamouröse Version der weißen Kolonial-Fantasie über Afrika zeigt.“
Dies sei eine Darstellung, die es zur heutigen Zeit nicht mehr geben dürfe. „Hier sind einige Fakten für Swift und ihr Team: Kolonialismus war weder romantisch noch schön. Es war ausbeuterischen und brutal. Das Erbe des Kolonialismus lebt noch ganz laut bis zum heutigen Tag.“ führen die Autoren der NPR weiter aus.

Swift selbst hat sich noch nicht zu diesen Äußerungen gemeldet, ließ aber über einen Sprecher verlauten, dass alle Einnahmen von „Wildest Dreams“ an die „African Foundation of America“ gehen, die sich für den Schutz wilder Tiere einsetzen.
Anders sieht es bei dem Regisseur des Videos, Joseph Kahn, aus. Über Twitter schrieb er, dass er selbst asiatische Wurzeln hätte und die Produzentin eine Afroamerikanerin sei. Seiner Meinung nach stellt das Video nur eine Liebesgeschichte dar, ohne dabei politische oder diskriminierende Ziele zu verfolgen. So schrieb er zur Besetzung: „Wir haben uns gemeinsam dazu entschieden, dass es geschichtlich gesehen verfälschend gewesen wäre, mehr schwarze Schauspieler in die Filmcrew aufzunehmen. Dann hätte man dem Video Geschichtsklitterung vorgeworfen.“
Dies ändert allerdings wenig an der Tatsache, dass keine Schwarzen in dem Clip zu sehen sind, weshalb die Rechtfertigung für viele auch wenig überzeugend ist.

Matthew Carotenuto, Professor der St. Lawrence University, entgegnet Kahn daher: „Der besagte Zeitraum war gekennzeichnet durch Privilegien für weiße Menschen. Dazu kam eine strenge Hierarchie, die rassistisch begründet und mit Gewalt durchgesetzt wurde. Zu behaupten, dass es sich lediglich um eine Liebesgeschichte handle oder eine Ode an das klassische Hollywood-Kino sei, lässt Afrikaner in ihrer eigenen Geschichte nicht zu Wort kommen.“

Taylor Swift wird wohl auch weiterhin mit Kritik an dem Video zu „Wildest Dreams“ rechnen müssen. Zudem ist es auch nicht das erste Mal, dass sie im Verdacht stehe, rassistisch zu sein. Bereits ihr vorhergehendes Video „Shake it off“ erhielt Kritik, in dem nur weiße Ballerinas zu sehen waren und schwarze Frauen twerkten.

Lydia Wiese

Foto: Taylor Swift von mobu27/flickr, CC BY-ND 2.0