Zambezi News: Die Heute Show aus Simbabwe

Zambezi News: Die Heute Show aus Simbabwe

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Satire aus Simbabwe? Die Crew der Sendung Zambezi News wagt sich auf ein gefährliches Feld der Unterhaltung. Mit ihren spitzen Äußerungen zu allen möglichen Themen unserer Zeit begeben sie sich nicht nur in ihrem Heimatland in Gefahr, sondern fordern strikte Vertreter der politischen Korrektheit heraus.

(c) Patrick Juchems/ AMZ

Die Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin hatte am Mittwochabend drei Gäste aus Simbabwe eingeladen: Samuel Farai Monro alias Comrade Fatso, Tongai Makawa alias Outspoken und Michael Kudakwashe, dessen Pseudonym schlicht Michael K. lautet. Die drei sind die Protagonisten der Satire-Nachrichtensendung Zambezi News, die mit der in Deutschland beliebten Heute Show des ZDFs vergleichbar ist. Im Jahr 2011 gründeten Monro und Makawa die Sendung, die beiden kannten sich aufgrund gemeinsamer Hip-Hop Projekte. Der Stand-Up Komiker Michael Kudakwashe schloss sich ihnen an, seitdem bildet das Trio den Kern der Satire-Sendung. Ausgestrahlt und verbreitet werden die Folgen über Facebook, WhatsApp und Youtube, vor allem in Simbabwe werden DVDs verkauft. Ungefährlich ist die Arbeit der drei Satiriker nicht, denn Kritik an den bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen, ja Presse- und Meinungsfreiheit insgesamt, sind in Simbabwe stark eingeschränkt. Mit direkter Kritik an Präsident Robert Mugabe, der seit 1987 dieses Amt inne hat, hält sich das Trio nach eigener Aussage zurück. Allerdings wird in ihren Beiträgen implizierte Kritik an Mugabe selbst und seiner Politik deutlich, daher ist ihr Schaffen durchaus ein Drahtseilakt. Besondernsmit ihren pointierten Aussagen hinsichtlich Rasse, Hautfarbe, Sexualität und Gender erregen die drei Satiriker jenseits den Grenzen Simbabwes Aufmerksamkeit. So meldete sich nach dem Auftritt im Haus der Heinrich-Böll-Stiftung eine Zuschauerin zu Wort, die die Reproduktion und das Spiel mit Stereotypen und Vorurteilen kritisierte. Die drei Künstler verwiesen einstimmig auf die sarkastische Überspitzung der Thematiken und betonten, dass Homosexualität als Gefahr und Ursache vieler gesellschaftlicher Probleme angesehen wird und dass ihr Anliegen in der Veranschaulichung der Lächerlichkeit dieses Standpunktes läge. Überhaupt sei ihre oberste Priorität, ihre Mitbürger auf die Missstände jeglicher Art hinzuweisen und sie zu hinterfragen, allerdings in einer unterhaltenden Art und Weise, die Hoffnung auf Besserung lässt. Die Zambezi News sind ein Ausgleich zum staatlichen Propaganda-Fernsehen, das sie bereits seit vier Staffeln parodieren.

Patrick Juchems

 

Foto: Patrick Juchems/ AMZ