„The Man from Oran“ feiert Deutschlandpremiere

„The Man from Oran“ feiert Deutschlandpremiere

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Am Abend des 18. Februar öffneten die Hackeschen Höfe Berlin wieder einmal ihre Pforten, um uns in die Welt des Films eintauchen zu lassen: Vom Publikum bejubelt und von Kritiker_innen gelobt, zelebrierte Lyes Salems preisgekrönter Film „The Man from Oran“ (Originaltitel: L'Oranais) seine Deutschlandprimiere.

Foto: Day Three, 2009. Colour study, Curzon Soho von anthony lui/ flickr, CC BY-SA 2.0

Durch Persönlichkeit und Emotionalität legt der Film „The Man from Oran“ nicht nur den Glanz, sondern auch die Schattenseiten der Revolutionäre dar: Der Algerier Djaffar, vom Regisseur Lyes Salem selbst gespielt, wird als Held des Unabhängigkeitskampfes 1954 bis 1962 von seinen Mitbürger_innen bewundert. Mit seinen Freund_innen und Mitkämpfenden feiert er die neu errungene Freiheit. Sie haben Träume, die bis zum Himmel ragen. Umso tiefer ist der Fall zurück auf den Boden der Tatsachen. Zerfressen von Korruption, der Suche nach der eigenen Idendität und der Verzerrung der Wahrheit, zerfallen ihre Wünsche. Der Weg in die Krise scheint unvermeidbar.

Wie selten zuvor thematisiert der Regisseur Lyes Salem die Jahre zwischen algerischer Revolution und dem Aufkommen der innerstaatlichen Krise. Es entsteht ein nüchternes, realistisches Bild der langersehnten Freiheit. Es macht deutlich, dass die eigentlichen Probleme des Staates erst mit der Unabhängigkeit von Frankreich begonnen.

Lobenswert sind die Verpackungen der Kritik. Durch alltägliche Gespräche zwischen den Charakteren und deren Handlungen werden die Probleme der Zeit indirekt offengelegt. Beispielhaft dafür sind zwei Freunde Djaffars, welche immer wieder durch unterschiedliche politische Sichtweisen aneinander geraten. Dies zeugt von der Hochwertigkeit des Filmes.

Zu bemängeln ist jedoch, dass Frauen eine untergeordnete Rolle im Film spielen und somit nicht alle Standpunkte der damaligen Gesellschaft beleuchtet werden. Auch schneidet das „The Man from Oran“ viele Probleme zwar an, geht jedoch nicht konkreter darauf ein. Dieser Fall tritt bei der Problematik der Machtverteilung zwischen Politik und Militär ein. Diese wird nur nebenbei erwähnt und kann so schnell überhört werden.
Andererseits muss verständlicherweise festgehalten werden, dass das genauere Eingehen auf alle Themen auch schwierig ist, ohne den Film überzustrapazieren.

„The Man from Oran“ ist auf jeden Fall einen Kinobesuch wert. Lyes Salem gelingt es, die Besucher_innen mit der emotionalen Geschichte Djaffars mitzureißen, ohne dabei in einem Blickwinkel verhaftet zu bleiben.

Maxie Kiwitter

Foto: Day Three, 2009. Colour study, Curzon Soho von anthony lui/ flickr, CC BY-SA 2.0