Tigray wieder unter Beschuss

Tigray wieder unter Beschuss

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Demonstration in Colombus, OH am 12.09.2021 gegen den Krieg in Tigray. © CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
Demonstration in Colombus, OH am 12.09.2021 gegen den Krieg in Tigray. © CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Nachdem bereits vergangene Woche die äthiopische Zentralregierung Luftangriffe auf die tigrinische Hauptstadt Mek’ele fliegen ließ, deuten aktuelle Berichte über eine Großoffensive äthiopischer und eritreischer Truppen auf eine neue Eskalationsstufe hin.

Am Dienstagmorgen verkündete die tigrinische Regierungspartei TPLF (Volksbefreiungsfront von Tigray), dass Äthiopien zusammen mit Eritrea eine „koordinierte Offensive“ begonnen hätte. „Eritrea setzt seine gesamte Armee sowie Reservisten ein“, so TPLF-Sprecher Getachew Reda auf Twitter.

Zu den Vorwürfen hat sich bislang weder die äthiopische noch die eritreische Regierung geäußert. Die USA hingegen bestätigte, dass eritreische Truppenbewegungen über die Grenze erfolgt seien. Gerade die externe Einmischung Eritreas wird als Beginn einer neuen Eskalationsstufe gewertet: „Die Anwesenheit eritreischer Truppen in Äthiopien trägt nur dazu bei, die Dinge zu verkomplizieren und eine bereits tragische Situation zu verschärfen“, merkt US-Sonderbeauftragter für das Horn von Afrika, Mike Hammer, an.

Die Feindschaft zwischen Eritrea und der TPLF geht auf den Eritreisch-Äthiopischen Grenzkrieg von 1998 bis 2000 zurück. Damals kämpften die TPLF und Eritrea gemeinsam gegen die Zentralregierung Äthiopiens. Während Eritrea unabhängig wurde, blieb Tigray eine Region Äthiopiens. Zu dem Zeitpunkt führte die TPLF die Regierungskoalition Äthiopiens an. Mit dem Wahlsieg Abiy Ahmeds zum Ministerpräsidenten im Jahr 2018 normalisierten sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern. Eritrea wandelte sich vom Erzfeind zum Verbündeten Äthiopiens. Grund hierfür sind die Pläne Ahmeds, sich vom ethnischen Föderalismus, der sich aus neun Regionalstaaten zusammensetzt, abzuwenden und stattdessen eine Zentralisierung des Landes anzustreben. Die TPLF ist gegen die Pläne Ahmeds. Im November 2020 mündete der Konflikt zwischen der Zentralregierung und der TPLF schließlich erneut im Krieg.

Erst im März gelang es beiden Konfliktparteien sich auf eine Waffenruhe zu einigen. Durch gegenseitige Schuldzuweisen flammte der Krieg aber im August wieder auf. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht. Vertreibungen, sexualisierte Gewalt, Mord und das gezielte Aushungern der Bevölkerung gehen erst einmal weiter.

Miray Atilgan