Lesung mit Chimamanda Ngozi Adichie

Lesung mit Chimamanda Ngozi Adichie

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Das beste Buch der letzten 10 Jahre: Chimamanda Ngozi Adichies "Die Hälfte der Sonne" im Afrika Medien Zentrum Berlin (c) Afrika Medien Zentrum

Unter der Schirmherrschaft der Kulturbrauerei in Berlin stellte die Autorin Chimamanda Ngozi Adichie ihren aktuellen Roman „Americanah“ vor. An der Podiumsdiskussion nahmen zusammen mit Adichie, Susanne Weingarten, eine Journalistin, die das Panel moderierte und dolmetschte und Anna Thalbach, die Teile der deutschen Romanfassung vorlas, teil. Nach einer Einführung von Weingarten hat Adichie kurz aus dem ersten Kapital Ihres Romans gelesen. Danach las Thalbach einige Seiten der deutschen Übersetzung „Americanahs“.

Bei der Vorlesung stellte Weingarten der Autoren einige Frage. Bei der ersten ging es um das Thema, wie der Hauptcharakter Ifemelu lernt, Schwarz zu sein. Adichie antwortete, dass sie über eine Erfahrung schreiben wollte, die sie selber machte, als sie in die USA kam. Sie erklärte, dass man sich in Nigeria durch ethnische Zugehörigkeit und Religion identifiziert, aber nicht als Schwarz. Deswegen war es ein Schock, plötzlich als Schwarz gesehen zu werden, da damit viele negative Eigenschaften verbunden werden.

Sie betonte auch, dass Erfolg von Schwarzen in den USA immer als etwas Besonderes hervorgehoben wird, es aber nichts Besonderes ist und normal sein sollte.

Auf die Frage nach Adichies eigentlicher “Heimat” antwortete sie, dass Nigeria für sie “Heimat-Heimat” sei und die USA eine “Sozusagen-Heimat” sind. Als sie nach vier Jahren nach Nigeria zurückkehrte, war sie enttäuscht, dass das Land nicht “auf sie gewartet” habe. Damit verbunden waren Gefühle von Trauer und Nostalgie, aber auch die Feststellung, dass “Heimat” mehrfach als etwas Statisches angesehen wird, es aber nicht ist.

Am Ende redete Adichie noch von den entführten Mädchen in Nigeria. Dazu hatte sie vor kurzem ein Essay publiziert, der Nigerias Regierung kritisierte, die gegenüber der Präsenz von Boko Haram schwach aussähe. #Bringbackourgirls!

Alles in allem war es sehr interessant, Chimamanda Ngozi Adichie in Berlin zu treffen. Die Lesung zog sehr viele Menschen an, die Adichie sehen und erleben wollten. Die Organisation gab jedoch einigen Anlass zur Kritik, zum einen wurde mit den Begrifflichkeiten in der deutschen Übersetzung fachlich unsensibel hantiert. Zum anderen gab es nur wenig Raum für die Autorin, um selbst zu Wort zu kommen oder einen Dialog zuzulassen. Dies führte insgesamt zu einer eher negativen Aufnahme der Lesung beim Publikum, die allein durch die sympathische und warmherzige Art von Adichie gerettet werden konnte.

Takeh Ethel-Dreder Asheh

 

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