Chinua Achebe verstorben

Chinua Achebe verstorben

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Foto: Afrika Medien Zentrum

Einer der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts, vielleicht der wichtigste Afrikas, war der Nigerianer Chinua Achebe. Mandela hatte ihn einen Schriftsteller genannt, in dessen Beisein Gefängnismauern einstürzten. Achebe brachte Afrika dem Rest der Welt nahe. Sein Roman „Things Fall Apart“ von 1958 ist der meistgelesene Roman Afrikas. Er wurde über 10 Millionen Mal verkauft und in über 50 Sprachen übersetzt. Trotz dieses Erfolges wurde Chinua Achebe erst 30 Jahre später zum Vorreiter postkolonialer Literatur.

Den Literaturnobelpreis hat er nicht mehr bekommen, auch wenn er über Jahre und Jahrzehnte immer wieder als höchst verdienter Kandidat galt. Alle sonstigen Preise, die ein Autor je erhalten kann, sind ihm jedoch verliehen worden. Unter anderem bekam er 2002 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels und 2007 den „Man Booker International Prize“. Lediglich die öffentlichen Ehrungen seines Heimatlandes, das ihn mehrfach zum Nationalhelden küren wollte, hat er regelmäßig abgelehnt. Damit wurde er zum Helden einer kritischen Öffentlichkeit. Als „Vater der afrikanischen Literatur“ und „Stimme eines Kontinents“ wird er jetzt in zahlreichen Nachrufen geehrt. Auch, wenn diese Bezeichnungen stimmen, darf man doch nie vergessen, wie kritisch er sich stets in seinen Romanen, Erzählungen, Kindergeschichten, Gedichten, Essays und Reden mit Vaterfiguren und Stimmgebern auseinandergesetzt hat.

Im Südosten Nigerias wurde Achebe 1930 als Sohn evangelischer Christen geboren und auf den Namen Albert Chinualumogu Achebe getauft. Er studierte Englisch, Geschichte und Theologie, wurde Lehrer und später Radiomoderator für den „Nigerian Broadcasting Service“ in Lagos. Er war während der Sezessionskämpfe (1967-1970) Aktivist für die Unabhängigkeit Biafras. Letztes Jahr erschien „There was a Country“, ein Memoirenband über jenes Engagement. Es beginnt mit: „Scheidewege hegen machtvolle Gefahren. Wer dort zur Welt kommt, muss mit vielköpfigen Ungeheuern kämpfen und seinen Leuten mit prophetischen Visionen kommen oder aber muss, wie ich, sich damit abfinden, was für unergründliche Rätsel das Leben eben birgt.“

Denise Pitner

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