Die Schule der Ehemänner

Die Schule der Ehemänner

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Die Müttersterblichkeit in Niger ist eine der höchsten weltweit. Um die Gesundheitsvor- und nachsorge für Frauen zu verbessern, hat die nigrische Regierung gemeinsam mit dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) ein besonderes Projekt ins Leben gerufen.

Foto: UNFPA/Niger

„Noch vor wenigen Jahren wäre es schwierig gewesen, mit den Männern in diesem Dorf über diese Themen zu sprechen“, sagte Almoustapha Boubacar, der Manager des Maiki Gesundheitszentrums. Diese Themen drehen sich vor allem um eine Sache, die reproduktive Gesundheit von Frauen. Etwa 590 Frauen auf 100.000 Geburten sterben an Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt. Nur 14 Prozent benutzen eine Form von Schwangerschaftsverhütung, von denen auch nur 12 Prozent moderne Methoden zur Verhütung nutzen. Das trägt zur hohen Fruchtbarkeitsrate im Niger bei, die die Gesundheit von Frauen gefährdet. Um diese Situation zu verbessern, wurde 2008 zunächst in der Region Zinder ein Konzept eingeführt, dass sich Ecole des Maris (Husbands‘ school) nennt.

Hier kommen kleinere Gruppen von Männern zusammen, um Probleme rund um die Gesundheit ihrer Ehefrauen zu besprechen und Lösungen zu finden. Voraussetzungen für die Teilnahme der Männer sind laut UNFPA folgende:

1. verheiratet sein

2. mit einer Frau/Frauen, die reproduktive Gesundheitsangebote wahrnehmen

3. über 25 Jahre alt sein

4. gewillt sein, teilzunehmen

5. als Ehemann seiner Frau gestatten, an Gruppenversammlungen teilzunehmen

6. der Schule zur Verfügung stehen

7. moralisch aufrecht sein

8. den Familienfrieden aktiv fördern

9. ein Ehemann sein, der seine Familie unterstützt

Damit sollen die Männer in ihrer Gemeinschaft nicht nur in ihren eigenen Familien den Fokus auf die weibliche Gesundheit lenken, sondern auch Anderen als Ansprechpartner und Leitfiguren zur Verfügung stehen. Seit Einführung der ersten 12 Schulen in Niger hat sich deren Zahl mittlerweile auf 137 erhöht. Im ersten Jahr stieg die Zahl der Frauen, die Schwangerenvorsorge in Anspruch nahmen, um das Dreifache. Mehr Frauen nutzen nun ebenfalls Verhütungsmittel, was den Plan der nigrischen Regierung, die Geburtenrate von 3,3 Prozent auf 2,5 Prozent zu senken, unterstützen dürfte. Doch noch eine Veränderung findet in den Kommunen statt, die durch die Schulen der Ehemänner unterstützt werden: Die Kommunikation in den Ehen veränderte sich. Eine Ehefrau meinte dazu: “Wir haben viele Veränderungen seit Einführung der Schulen gesehen. Den Männern wurde vieles bewusster. Jetzt bringen die Männer ihre Ehefrauen zu den kommunalen Gesundheitszentren.“

Das Bewusstsein für den Stellenwert von weiblicher Gesundheit wurde geschaffen und damit auch eine größere Akzeptanz für die Meinung und Bedürfnisse von Frauen.

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