Hugh Masekela: Eine Legende

Hugh Masekela: Eine Legende

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Der Musiker starb am 23. Januar 2018. Ein Nachruf von Wolfgang König.

Foto: Wolfgang König

Nur wenige Musiker haben das geschafft: Sie spielen ein paar Töne, und sofort weiß man, wer das spiel. Hugh Masekela besaß auf der Trompete und auf dem Flügelhorn, das er in den letzten 30 Jahren fast ausschließlich spielte, einen solchen unverkennbaren Personalstil. Sehr afrikanisch, mit kurzen, repetitiven und stark rhythmischen Phrasen. Seine erste Trompete verdankte er als 13-Jähriger seinem Schuldirektor, dem englischen Missionar Trevor Huddleston, der 1981 Präsident der britischen Anti-Apartheid-Bewegung wurde. Mit seinem Schulfreund, dem Posaunisten Jonas Gwangwa, gründete Hugh Masekela die Huddleston Jazz Band und später die Jazz Epistles, Südafrikas erste Band, die modernen Jazz spielte, mit Dollar Brand (Abdullah Ibrahim) am Piano. Im Ensemble des Musicals King Kong lernte Hugh Masekela Miriam Makeba kennen, die die weibliche Hauptrolle spielte. 1961 traf er sie wieder – in New York, wo sie bei Harry Belafonte sang und Hugh Masekela ein Musik-Stipendium bekommen hatte. Drei Jahre waren die beiden Landsleute verheiratet, dann war die Ehe am Ende. Was blieb, war lebenslange Freundschaft und Zusammenarbeit. Beide nutzten ihre internationale Popularität, um immer wieder auf die Verbrechen der Apartheid hinzuweisen, weshalb ihnen die Rückkehr nach Hause verwehrt blieb.

Die 1970er und 1980er Jahre verbrachte der Amerika-müde Hugh Masekela trotzdem weitgehend in Afrika: in Liberia, Ghana, Nigeria und Botswana. Er studierte die lokalen Musiktraditionen und griff sie auf. Freundschaften verbanden ihn unter anderem mit dem nigerianischen Superstar Fela Kuti und Manu Dibango aus Kamerun. Mit Paul Simons Graceland-Show tourte Hugh Masekela um die Welt, 1988 trat er mit Miriam Makeba beim legendären Geburtstagskonzert für Nelson Mandela im Londoner Wembley-Stadion auf.
1991 kehrte Hugh Masekela nach Südafrika zurück. Und wieder erhob er seine Stimme, prangerte Korruption und Machtgier afrikanischer Politiker an, was ihm unter anderem ein Auftrittsverbot in Robert Mugabes Simbabwe einbrachte. Beim Publikum machte ihn das um so beliebter. Seiner Musik und seinem Charisma auf der Bühne konnte sich kaum jemand entziehen. Unvergessen bleibt mir der 4. April 2009, als Hugh Masekela mit einem grandiosen Konzert seinen 70. Geburtstag feierte. Unter den 10.000 Fans in Kapstadt waren alle Altersgruppen vertreten, und die jungen Musiker seiner Band waren stolz, mit jemandem arbeiten zu dürfen, der ihr Großvater hätte sein können.

In den letzten Jahren kämpfte Hugh Masekela mit dem Krebs; trotzdem arbeitete er unermüdlich weiter. Am 23. Januar ist er im Kreis seiner Familie friedlich eingeschlafen. Die Lücke, die er hinterlässt, wird kaum zu füllen sein.

Wolfgang König

tietel_lonam_febraur2018Ein Beitrag aus der LoNam-Ausgabe 01/2018 mit dem Schwerpunkt „Gewählt, gefolgt, geputscht.“
Das Einzelheft ist formlos bestellbar unter abo[at]lonam.de.

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