Memory Streets – Ein Weg der Erinnerung und Auseinandersetzung

Memory Streets – Ein Weg der Erinnerung und Auseinandersetzung

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Foto: Afrika Medien Zentrum

Die deutsche Kolonialgeschichte und ihre bis heute andauernden Folgen werden gerne mal untre den Tisch gekehrt. Schließlich hatte Deutschland das ‚Glück‘, seine Kolonien nach dem ersten Weltkrieg abtreten zu müssen – weshalb sich das Land heute eine Menge Ärger erspart.

Dennoch gibt es Auswirkungen, unter anderem im öffentlichen Bewusstsein, die bis heute andauern. Ein Aspekt sind die Straßen: So erinnern die Straßennamen im sogenannten Afrikanischen Viertel im Wedding bis heute an die vermeintlich glorreiche Kolonialzeit und ehren Rassisten wie den „Afrikaforscher“ Carl Peters. Dieses Problem will die am vergangenen Freitag eröffnete Ausstellung „Memory Streets – Lernen und Erinnern im ‚Afrikanischen Viertel'“ angehen. Schülerinnen und Schüler aus der Umgebung haben mit Unterstützung des August Bebel-Instituts, der Stiftung „Erinnerung Verantwortung und Zukunft“ (EVZ), Berlin postkolonial und weiteren Vereinen und Stiftungen Ideen entwickelt, wie man aus diesem Viertel einen Ort des Lernens und Erinnerns machen kann, der sich kritisch mit der kolonialen Vergangenheit auseinandersetzt und Opfer, nicht Täter, würdigt.

Bis zum dritten Dezember ist die Ausstellung im August Bebel-Institut zu sehen, dazu gibt es ein ausführliches Begleitprogramm. Mehr infos gibts unter http://august-bebel-institut.de/memory-streets-lernen-und-erinnern-im-afrikanischen-viertel/.

 

Hier einige Eindrücke von der Vernissage:

 

 

Brechend voll ist die Galerien des Instituts bei der Eröffnung. Mit einem solchen Andrang hatten selbst die Organisatoren nicht gerechnet.

 

 

Interessiert sehen sich die Besuchenden die von den Schülerinnen und Schülern erstellten Objekte an.

 

Marianne Ballé Moudoumbou hält eine äußerst fesselnde Rede, in der sie erklärt, dass es viele kollektive Vorstellungen von Afrika in Deutschland gibt, die zum größten teil rassistisch seien. „Wenn man einen Namen ausspricht, macht man Werbung für die Person“, sagt sie und wettert gegen Straßen, die bis heute nach kolonialen Eroberern benannt sind oder rassistsche Bilder am Leben erhalten. Auch spricht sie all die an, die eine Würdigung tatsächlich verdient haben und oft namenlos sind: „Es gibt viele, die namenlos so viel getan haben“. Die Vergangenheit, die Menschen der Vergangenheit leben in uns weiter und sind uns näher, als wir denken; das macht sie deutlich. Es ist an uns zu entscheiden, wie wir mit ihrem Erbe umgehen und in die Zukunft  blicken.

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