Nachruf: Robert Mugabe mit 95 Jahren verstorben

Nachruf: Robert Mugabe mit 95 Jahren verstorben

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Fast zwei Jahre nach seinem Rücktritt stirbt der simbabwische Ex-Präsident Robert Mugabe im Alter von 95 Jahren in Singapur. Der erste Präsident nach der Unabhängigkeit regierte 37 Jahre.

Am Freitagmorgen verkündet Emmerson Mnangagwa, jetziger Präsident Simbabwes, den Tod des ehemaligen Präsidenten Robert Mugabe. Dieser starb im Alter von 95 Jahren in Singapur. Vor zwei Jahren im November 2017 wurde Mugabe nach nationalen Massenprotesten vom Militär zum Rücktritt gezwungen. 2011 offenbarte ein Telegramm, das Mugabe an Prostatakrebs erkrankt sei, offiziell wurde dies jedoch nie bestätigt.

Mnangagwa bedauert den Todesfall sehr. Auf Twitter erklärt er, dass er mit größter Trauer das Ableben des Gründervaters und ehemaligen Präsidenten Robert Mugabe ankündige. Weiter heißt es, dass Mugabe eine Ikone der Befreiung gewesen sei – ein Panafrikaner, der sein Leben der Emanzipation und der Ermächtigung seines Volkes gewidmet habe.

Robert Gabriel Mugabe wird 1924 in der damaligen britischen Kolonie Südrhodesien in einem kleinen Dorf geboren. Er wächst in bäuerlichen, streng katholischen Verhältnissen auf. Später wird über ihn gesagt, dass seine Freunde stets Bücher gewesen sein sollen. Im Laufe seines Lebens erlangt Mugabe sieben Universitätsabschlüsse – drei davon in Gefangenschaft. 1960 schließt sich Mugabe der simbabwischen Freiheitsbewegung an und kämpft zunächst gegen die weiße, Pro-Apartheid Minderheit um Ian Smith. 1964 wird er verhaftet und muss für über zehn Jahre ins Gefängnis. Als er 1975 entlassen wird kämpft er weiter für die Unabhängigkeit Südrhodesiens und wird schließlich 1980 bei den ersten Wahlen zum Premierminister gewählt. Zuvor sorgen wachsende Rebellion und Wirtschaftssanktionen dafür, dass die weiße Minderheitsregierung in Frage gestellt wird. Zu der Zeit wird er international als Befreiungsheld gefeiert.

Aljazeera zufolge sorgte Mugabe für eine hohe Alphabetisierungsrate Simbabwes: „Als ehemaliger Lehrer versuchte er dafür zu sorgen, dass so viele Schwarze wie möglich eine Ausbildung erhielten“, so Aljazeera-Korrespondent Haru Mutasa. Neben freier Schulbildung setzt sich Mugabe auch für eine medizinische Grundversorgung für Menschen mit geringem Einkommen ein. Den Menschen ging es gut und dabei spielte vor allem der Agrarsektor eine entscheidende Rolle. Simbabwe exportierte Mais, Baumwolle, Rindfleisch, Tabak, Rosen und Zucker. 1994 wird er von der britischen Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen.

Doch Mugabe wurde weder in Simbabwe, noch auf dem Rest der Welt durchgehend als Held gefeiert. Als er im Jahre 2000 Landreform einführt wird er – besonders vom Westen – stark kritisiert. Häufiges Narrativ: Mugabe habe die Kornkammer Afrikas zerstört und abhängig von sogenannter Entwicklungshilfe gemacht. Zu dieser Zeit besaßen aber rund 70 Prozent der fruchtbaren Ländereien weiße Menschen. Diese machten allerdings nur ein Prozent der Bevölkerung aus. Für Mugabe und auch viele andere war dies notwendig um das ökonomische Gleichgewicht zwischen Weißen und Schwarzen Bauer*innen wieder herzustellen.

Negative Schlagzeilen kumulierte er auch durch seine sogenannten obszönen Partys. Während 40 Prozent der Bevölkerung von Hunger bedroht sind, feiert er mit Anhang millionenschwere Feste. 2008 wird ihm „Missachtung der Menschenrechte“ und „verwerfliche Geringschätzung der Demokratie“ vorgeworfen, sein Ritterorden wird ihm daraufhin wieder entzogen. 2009 folgt eine verheerend Inflation, die den Simbabwe Dollar faktisch außer Kraft setzt.

In seinen letzten Jahren als Staatsoberhaupt versucht er seine Frau Grace Mugabe, auch bekannt als „Gucci Grace“, als seine Nachfolgerin zu etablieren. Doch das Militär kommt ihm im November 2017 zuvor und stellt ihn unter Hausarrest. Eine Woche später tritt Mugabe zurück.

Die einen feiern ihn als Held, die anderen als Diktator. Folglich wird Mugabe wohl sowohl als dekolonialer Freiheitskämpfer als auch als diktatorischer Politiker in den Köpfen der Menschen zurückbleiben.

„Sein Beitrag zur Geschichte unserer Nation und unseres Kontinents wird nie vergessen werden. Möge seine Seele im ewigen Frieden ruhen“, so Mnangagwa am Freitagmorgen.

V. Jeffries