Sall ist Präsident

Sall ist Präsident

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Am 3. April wird Sall den Amtseid leisten und eine Regierung bilden, um dann seine Arbeit aufzunehmen. Bis dahin ist offiziell weiterhin Wade der Präsident. Allerdings scheine es, so Jeune Afrique, als habe Letzterer bereits einen Schlussstrich unter seine zwölfjährige Amtszeit gezogen. Demgemäß werde er auch nicht am kurzfristig einberufenen Treffen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft im ivorischen Abidjan anlässlich des malischen Militärputsches teilnehmen. Außenminister Madické Niang werde ihn vertreten.

Wade war für seine erneute Kandidatur für das Präsidentenamt heftig in die Kritik geraten: Hätte er gewonnen, träte er nun schon seine dritte Amtszeit an – was viele für verfassungswidrig hielten. Im Übrigen ist er mit 85 Jahren nicht mehr der Jüngste. Nichtsdestotrotz wollte Wade weiter Staatsoberhaupt des Senegal sein, unterlag letztlich aber klar gegen Sall. Angesichts von Wades Beharrlichkeit mag es manch einen erstaunen, dass er jetzt, mit Abschiedsbesuchen bei den religiösen Würdenträgern des Landes, ohne viel Aufhebens abtritt.

Bei der Wahl sei er vor allem für sein Unvermögen abgestraft worden, die hohen Warenpreise, einen Lehrer-Streik sowie die zunehmende Jugendarbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen, so die Nachrichtenagentur IPS Africa. Die ablehnende Haltung der Senegalesen ihrem langjährigen Präsidenten gegenüber äußerte sich nicht zuletzt darin, dass sämtliche Kandidaten, die in der ersten Wahlrunde ausgeschieden waren, fortan geschlossen hinter Sall standen, ebenso wie zahlreiche politische und zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter die junge Bewegung „Y'en a marre“ (zu Deutsch etwa: „Es reicht“).

Ganz von der politischen Bühne verschwinden wolle Wade der senegalesischen Zeitung Le Quotidien zufolge jedoch nicht. Im Gegenteil: Er habe sich eigenmächtig an die Spitze der Liste der Demokratischen Partei Senegals (PDS) für die kommenden Parlamentswahlen gesetzt. Zuvor sei man innerhalb der PDS davon ausgegangen, er werde jüngeren Bewerbern den Vortritt lassen und so einen Generationenwechsel einleiten. Einige Parteimitglieder, schreibt das Blatt unter Berufung auf vertrauliche Quellen, würden sich Wade angesichts solcher „diktatorischen“ Methoden allerdings entgegenstellen: „(…) wir sind bereit, ihm dieses Mal die Stirn zu bieten, sollte die Auswahl nicht demokratisch verlaufen.“

 

N. W., 29.03.2012

 

Bild: sierraexpressmedia.com

 

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