Tödlicher Irrglaube

Tödlicher Irrglaube

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Ihre Körperteile sollen Glück bringen und Krankheiten heilen, deswegen müssen Menschen mit Albinismus in Tansania ständig um ihr Leben fürchten. Die Regierung hat nun eine neue Aufklärungskampagne ins Leben gerufen, um Betroffenen in Zukunft besser vor gewalttätigen Übergriffen zu schützen.

Albinismus ist ein Gendefekt, bei dem die Produktion des Farbstoffs Melanin gehemmt wird. Hautfarbe und Haare sind deshalb sehr hell. Die Krankheit kommt überall auf der Welt vor, jedoch vermehrt in afrikanischen Ländern. Den höchsten Anteil an Menschen mit Albinismus gibt es Tansania. Dort leben geschätzt zwischen 150.000 bis 200.000 Betroffene. Woher das Phänomen wirklich kommt, soll den Menschen in Tansania nun vermehrt durch Seminare vermittelt werden, denn noch immer werden Menschen mit Albinismus nicht nur stigmatisiert und ausgeschlossen, sondern häufig ebenfalls gejagt und ermordet. Ihre Extremitäten sind wertvoll. Bis zu 8.000 Euro sind Körperteile verstorbener und getöteter Betroffener auf dem Schwarzmarkt wert. Sie werden von sogenannten Medizinmännern zu angeblichen Zaubertränken verarbeitet, die Reichtum bringen oder Krankheiten heilen sollen. In Mwanza, einer Kleinstadt im Norden des Landes wurden allein in den letzten drei Jahren über 70 Menschen mit Albinismus verschleppt und getötet, von denen lediglich zehn Morde aufgeklärt und verurteilt wurden. Die Unterstützung durch den Staat war bisher mangelhaft.

Doch in den urbanen Zentren wie der Hauptstadt Tansanias Daressalam findet langsam ein Umdenken statt. Hier können Menschen mit Albinismus bis auf neugierige Blicke ein normales Leben führen. Die Probleme liegen heute eher in den entlegenden Dörfern vor allem im Norden des Landes. Dort wird die Krankheit als Fluch gesehen und sagenhafte Geschichten und Gerüchte machen es den Betroffenen schwer. Sobald jemandem Unglück passiert, dienen sie den Dorfbewohnern leicht als Sündenbock. Ihre Knochen werden zu Diamanten, sagt man in diesen Gegenden und sie seien unsterblich. Deswegen wird ihren Körpern eine ungeheure Heilkraft zugeschrieben. Die Ukerewe Albino Society bemüht sich um Aufklärung. Um jedoch auch die entlegendsten Gebiete zu erreichen, brauchen sie Hilfe von der Regierung. Durch vermehrte mediale Aufmerksamkeit sieht sich diese nun endlich gezwungen, mehr für den Schutz von Menschen mit Albinismus zu unternehmen. Neben einer ersten Aufklärungskampagne gründete die Organisation eine Siedlung für Betroffene und ihre Familien auf einer Insel im Viktoriasee. Ein isolierter, aber sicherer Ort. Dort hat auch die Ukurewe Albino Society ihren Sitz. An der Wand ihres Hauses steht: „Wir schmelzen nicht in der Sonne, wir verschwinden nicht, wir leben und sterben wie normale Leute.“

Katrin Steck

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