Vertreibung als Naturschutzmaßnahme?

Vertreibung als Naturschutzmaßnahme?

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In der Kalahari Wüste Botswanas eröffnet am heutigen Freitag, den 5. September, eine Diamantenmine im zweitgrößten Nationalpark der Welt. Inmitten des über 52.000 Quadratkilometer großen Central Kalahari Game Reserve wird die Regierung zukünftig Bergbau betreiben.

Entgegen den Aussagen der botswanischen Regierung zu Plänen im Bezug auf Rohstoffabbau und Bergbau wird am 5. September eine Diamantenmine in der Kalahari Wüste eröffnet. Damit baut Botswana die Stabilität seiner Wirtschaft aus und etabliert sich als Zentrum des globalen Diamantenhandels.

Ursprünglich lebte ein indigenes Volk als Jäger und Sammler im betroffenen Gebiet im südlichen Afrika, wo 1961 das Central Kalahari Game Reserve als Nationalpark zum Schutz des Volkes und der Wildtiere gegründet wurde. Die als San bezeichnete Gruppe nutzt oftmals die Bezeichnung Buschleute als Eigenbezeichnung, um ihre besondere Beziehung mit dem Land auszudrücken. Die blühende Trockensavanne im Central Kalahari Game Reserve diente ihnen als zentraler Rückzugsort.

Als 1980 das Diamantenvorkommen im  Central Kalahari Game Reserve in Botswana entdeckt wurde, drängte die Regierung die dort angesiedelte Bevölkerung zur Umsiedlung. Nach drei großen Räumungen in den Jahren 1997, 2002 und 2005 lebten die San gezwungenermaßen in Umsiedlungslagern außerhalb ihres Reservats. Unter Androhungen wurden sie aus ihrem Land abtransportiert, nachdem ihre Häuser und die Wasserversorgung zerstört wurden. Nach unzähligen Rechtsstreiten konnten sie 2006 das Recht auf Rückkehr in ihren angestammten Lebensraum erwirken. 2011 gelang es ihnen, das Recht auf Trinkwasser einzufordern, das ihnen lange Zeit verwehrt blieb.

Der Konflikt zwischen Regierung und der lokalen Bevölkerung dauert an. Die Regierung vereitelt die Bedrohung an Kultur und Rechten, die an den San ausgeübt werden, und beteuert, dass die Vertreibung keinesfalls anlässlich des Diamantenabbaus, sondern aus Naturschutzmaßnahmen vorgenommen wurde. Darüber hinaus werden schwere Vorwürfe seitens der Regierung an die San gerichtet. Bemängelt wird beispielsweise ihr Lebensstil, der unvereinbar mit dem Schutz der Wildtiere sei. Das Resultat ist eine Verstrickung in Widersprüche. Den San wird die Jagd untersagt, Tourist_innen können jedoch uneingeschränkt Jagdlizenzen für das Gebiet erwerben. Außerdem lässt die Regierung Erkundungen zur Förderung von Erdölgewinnung durch Fracking durchführen.

Tatsache ist, dass die Bevölkerung Botswanas vom Diamantenabbau profitiert. Das Land möchte die Bevölkerung an ihrem Rohstoffreichtum teilhaben lassen, indem Straßen und Hauser gebaut und mit Trinkwasser versorgt werden. Die African Economic Outlook bestätigte Mitte letzten Jahres einen Rückgang der Armutsgrenze um 10 Prozent seit 2002, was vor allem auf die Einnahmen der Minen zurückzuführen sei. Die Regierung betont ihre Bemühungen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und Einkommensungleichheit. „Alle Grundstücke haben jetzt einen Wasseranschluss, an bedürftige Familien geben wir Spaghetti, Brot und andere Lebensmittel aus“, bestätigt Matshidiso Moramedi, der Assistent des Parlamentsabgeordneten für Old Naledi.

Die Verlierer in dem Handel mit Diamanten sind die Bewohner_innen des Naturschutzgebiets. Die Mine verstärkt ihren Unmut und bestätigt ihre Vermutungen über die Gründe der Vertreibung. „Der einzige Profit geht an Gemeinden, die außerhalb des Schutzgebietes leben, während unsere natürlichen Ressourcen zerstört werden“, äußerte sich der Angehörige einer San Familie gegenüber Survival International, einer Bewegung für die Rechte indigener Völker. Die San kritisieren die Auszeichnungen, die Präsident Khama für seine Naturschutzbemühungen erhielt, und lehnen den Betrieb der Mine ab, solange die Regierung nicht bereit ist, sie am Gewinn des Abbaus in ihrem Reservat teilhaben zu lassen.

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