Geiselnahme und Ermordung von Helfenden

Geiselnahme und Ermordung von Helfenden

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Fünf Nigerianer wurden vor laufender Kamera von Extremist*innen ermordet.

Bild: Ankur Sharma CC BY-SA 2.0

Vier der fünf ermordeten Nigerianer waren Mitarbeiter der französischen Hilfsorganisation Action against Hunger und des International Rescue Committee (IRC). Der fünfte Erschossene war bei einem privaten Sicherheitsdienst beschäftigt und sollte die Helfer*innen schützen. Sie alle waren am 8. Juni 2020 im Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias entführt worden. Ihre Geiselnehmer*innen veröffentlichten am Mittwoch ein Video, das ihre Exekution zeigt. Mit verbundenen Augen mussten die Männer knieend auf ihre Hinrichtung warten, nachdem ihre Geiselnehmer*innen ihnen vorgeworfen hatten, für Organisationen von „Ungläubigen“ zu arbeiten.

„Entführungen und Ermordungen von einzelnen Helfern sind in Nigeria nicht selten. Aber fünf Helfer öffentlich hinzurichten, wird die humanitäre Arbeit für bedrängte Christen und Muslime in Nigeria tief erschüttern“, erkĺärt Ulrich Delius, Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Alleine aufgrund ihrer Fürsorgepflicht für ihr Personal müssten Hilfswerke nun ihr Engagement für Notleidende im Norden Nigerias überprüfen. Schon heute könnten dort zehntausende notleidende Zivìlist*innen wegen der unzureichenden Sicherheitslage nicht von Hilfsorganisationen erreicht werden.

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari drückte offiziell sein Beileid „für die Familien der fünf Hilswerk-Mitarbeiter“ aus und gelobte, dass die Jihadist*innen „komplett ausgelöscht werden“ sollen. In einer öffentlichen Stellungnahme der Präsidentschaft wurde angekündigt: „Staatliche Sicherheitsbehörden werden eng mit deren Organisationen zusammenarbeiten, um Maßnahmen zu treffen, die sicherstellen, dass solche Entführungen von Mitarbeitenden nicht noch einmal stattfinden.“

Die deutsche Pressestelle von Aktion gegen Hunger bestätigte die Meldungen und sei in Gedanken „bei den Familien, Freund*innen und Kolleg*innen in Nigeria“. In einem offiziellen Statement erinnert sie: „Die Entführung von humanitären Helfer*innen verstößt gegen das humanitäre Völkerrecht und gegen alle Regeln zum Schutz von Mitarbeitenden, humanitären Organisationen und Partnern. Diese Ermordung ist nicht zu rechtfertigen und spiegelt die immensen Schwierigkeiten wider, mit denen unabhängige und unparteiische humanitäre Akteure konfrontiert sind.“

Das IRC verurteilte die „sinnlose Hinrichtung unseres Kollegen, Luka Filibus, und der mit ihm entführten humanitären Helfer. Wir sind zutiefst traurig und untröstlich.“  Luka sei trotz eigener unfreiwilliger Fluchtgeschichte entschlossen gewesen, das Leiden von Kindern zu mindern und habe sein Leben ihrem Schutz und der Linderung ihrer Traumata gewidmet. „Seine Kolleg*innen in Nigeria sehen ihn in Erinnerung immer mit einem Lächeln im Gesicht. Wir trauern mit Lukas Familie und werden alles tun, um sie in dieser herausfordernden Zeit zu unterstützen.“

Die Meldungen solcher Geschehnisse allein geben selten das Ausmaß des Schreckens, der sich dahinter verbirgt, wieder. Wir hoffen, dass tatsächlich die Menschen aus Organisationen, Behörden und Zivilgesellschaft zusammenstehen in der Verarbeitung dieser Morde und in ihrer zukünftigen Verhinderung.

GfbV & J. Bittermann