Initiativen organisieren Black-Lives-Matter-Treffen am 25. Juli

Initiativen organisieren Black-Lives-Matter-Treffen am 25. Juli

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Wie können wir "Kleinen Leute" selbst die immer noch ungerechten Beziehungen zwischen Afrika und Europa durch mitmenschliche Verbindungen ersetzen?

© Bunt statt Braun, Friedensinitiative Bad Hersfeld-Rotenburg, Friedensforum Werra-Meißner, Initiativen Black&White in Deutschland und Ghana, FriedensFabrik Wanfried, Seebrücke

Nicht nur in den USA verlieren dunkelhäutige Menschen durch rassistische Gewalt von Staatsorganen immer wieder ihr Leben. Menschen in Afrika leiden seit über 500 Jahren unter Gewalt und Krieg und Ausbeutung durch Mächtige und Vermögende in Europa. Oft auch in Zusammenarbeit mit Mächtigen oder Mächtig-Gemachten in Afrika.

Die Initiative Black&White und die FriedensFabrik Wanfried wollen das mit der Veranstaltung „Black Live matter“ am Samstag, den 25.7. zum Thema machen. Es ist eine gemeinsame Veranstaltung mit Bunt statt Braun, der Friedensinitiative Bad Hersfeld-Rotenburg, dem Friedensforum Werra-Meißner und der Initiative Seebrücke.

Die Veranstaltung soll die Diskussion unter „uns Kleinen Leuten“ in Europa und Afrika anregen: Wie können wir gerechte, friedliche und solidarische Beziehungen zu Afrikaner*innen selbst aufbauen und politisch mehrheitsfähig machen. Die Organisatoren sehen in dem Treffen den ersten Schritt zum Aufbau von nachhaltigen afrikanisch-deutschen (europäischen) Gruppen zum Informations- und Meinungsaustausch zu zentralen Punkte der afrikanisch-europäischen Beziehungen.

In Sunyani, in Ghana, in der Stadt der Initiative Black&White Ghana, wird es eine Parallelveranstaltung geben. Eine gegenseitige Direktschaltung soll die großen Möglichkeiten veranschaulichen, „die wir Kleinen Leute“ heute haben, direkt ins Gespräch zu kommen und uns selbst ein Bild vom Leben in anderen Regionen der Welt zu machen. Besprochen werden soll dabei, wie die künftige Zusammenarbeit aussehen kann für Beziehungen im Sinne der Menschenrechtserklärung und des Grundgesetzes: Friedlich, gerecht, menschenwürdig.

Die Kundgebung für gerechte und solidarische Zusammenarbeit zwischen hell- und dunkelhäutigen Menschen mit einem Konzert der Gruppe Black&White findet um 17.30 statt. Von 10-17 Uhr finden Workshops zu den aktuellen und früheren afrikanisch-europäischen Beziehungen statt. Am Ende soll es über ZOOM zu einem direkten Austausch zwischen den Veranstaltungsteilnehmer*innen in Wanfried und Sunyani kommen. Es wird ein Corona-Hygienekonzept geben. Da die Teilnehmer*innenzahl beschränkt ist, bitten die Veranstalter*innen um vorherige Anmeldung: kontakt@friedensfabrik-wanfried.com. Hier kann man auch den genauen Programmablauf anfordern.

In Deutschland ist nicht viel über die Hintergründe der unterschiedlichen Lebensbedingungen in Afrika und Europa bekannt. In Ghana etwa liegt der Durchschnittsverdienst im Jahr so hoch, wie in Deutschland im Monat. Die Menschen sterben 20 Jahre früher. Und das, obwohl Ghana ein großer Exporteur von Gold oder Bauxit und der zweitgrößte Kakaobohnenproduzent der Welt ist.

Die Gründe für die Unterschiede liegen zum einen in der Geschichte: Es gab Staaten die erobert und ausgebeutet haben und Regionen, die erobert und ausgebeutet wurden. Es gab Menschen, die andere versklavt haben und Menschen die versklavt wurden und für den Reichtum Anderer arbeiten mussten.

Die europäischen Staaten und auch viele deutsche Händler und Aristokraten waren an der Versklavung von Millionen von Afrikaner*innen und ihrem profitträchtigen Verkauf nach den Amerikas beteiligt. Das ist bisher bei uns kaum ein Thema, hat aber in Afrika schwerste und bis heute nachwirkende Auswirkungen. Der deutsche Staat hatte bis 1919 eines der größten Kolonialreiche der Welt; zu ihm gehörten große Teile Afrikas.

Zur Rechtfertigung von Sklavenhandel und kolonialer Eroberung wurden die Afrikaner*innen als minderwertige Menschen hingestellt; meist von Europäer*innen, wie Kant, Schiller oder Hegel, die nie einen Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt hatten.

In beiden Weltkriegen hatten die deutschen Regierungen das Ziel, „den deutschen Lebensraum“ auf Gesamtmittelafrika auszudehnen. Sie erhoben beide Male Anspruch auf Ghana, das Land, in dem die heutige Wanfriederin, Eunice Lieberknecht, geboren wurde. In ihrer Heimatstadt hat sie inzwischen einen Partnerverein für die Förderung partnerschaftlicher, gleichberechtigter Zusammenarbeit mit Menschen in Deutschland aufgebaut.

Die Initiativen Black&White möchten bei der Veranstaltung in der FriedensFabrik Wanfried vorschlagen, eine Wahrheits- und Versöhnungskommission zu den afrikanisch-europäischen Beziehungen einzurichten. Sie soll es den Menschen in Afrika und Europa ermöglichen, die Vergangenheit zu verstehen, um die Zukunft gemeinsam fair gestalten zu können.

Tatsächlich hat die Durchsetzung der politischen Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten von den europäischen Staaten noch nicht zu gerechten und mit-menschlichen Beziehungen geführt.

Einige Stichworte, die ebenfalls in den Workshops bearbeitet werden: Durch die Folgen des Klimawandels, zu dem die Afrikaner kaum beitragen, verlieren viele Menschen bereits ihre natürliche  Existenzgrundlage. In Deutschland geben wir im Durchschnitt 20 Mal so viel CO2 ab, wie in Ghana.

Die in Europa erzeugten landwirtschaftlichen Überschüsse werden zu Dumpingreisen auf den afrikanischen Markt gebracht, da die europäischen anders als die afrikanischen Landwirt*innen staatliche Subventionen bekommen. Viele afrikanische Bäuer*innen hat das bereits die Existenz gekostet. Mit vielen Drohungen verbieten die europäischen Regierungen den afrikanischen Staaten, ihre Märkte zu schützen. Damit wird der Aufbau einer verarbeitenden Industrie im Keim erstickt.

In Westafrika ist die Perspektivlosigkeit der inzwischen häufig auch gebildeten Jugend Boden für die Ausbreitung des Extremismus. Westliche Militärinterventionen wie die in Libyen (siehe August-Ausgabe der LoNam) haben die Situation nachhaltig verschärft und Gewalt, Terror und Diktaturen nicht verringert, sondern  zur starken Ausbreitung von Gewalt geführt.

Es werden aus verschiedenen Teilen der Bundesrepublik kompetente Referent*innen nach Wanfried kommen. Die Initiative Black&White und die FriedensFabrik werden auch ihre Konzepte für die Stärkung von Frieden und Gerechtigkeit in eigenen Vorträgen vorstellen.  Wer sich selbst einbringen will, wird sicher viele Informationen und neue Möglichkeiten für sich bei dem Treffen finden können.

Einfache Schlafplätze und Zeltmöglichkeiten sind vorhanden, bitte nachfragen.

W.L., friedensfabrik-wanfried