Senegal: Wird es einen Afrikanischen Frühling geben?

Senegal: Wird es einen Afrikanischen Frühling geben?

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Die Opposition hofft auf eine Revolution ähnlich dem „Arabischen Frühling“, welcher vor etwas mehr als einem Jahr in den Ländern nördlich der Sahara begann. Der „Platz des Obelisken“ wird zum zentralen Austragungsort der Demonstrationen und von hoffnungsvollen Oppositionellen schon „Tharir-Platz Senegals“ genannt.

Die Bevölkerung Senegals ist schon seit geraumer Zeit unzufrieden mit der Politik Wades. Im Juni letzten Jahres gründete sich die Vereinigung „M23“, welche zu Demonstrationen vor der Nationalversammlung aufrief. Damals demonstrierten Zehntausende gegen Verfassungsänderungen, die der Präsident in Kraft treten lassen wollte und die offensichtlich nur zur Verlängerung seiner Amtszeit führen würden. Die Gesetze sollten dahingehend verändert werden, dass ein Sieg schon mit 25 statt mit 50 Prozent im ersten Wahlgang erreicht und eine Kandidatur nur mit einem eigenen Vizepräsidentschaftskandidat möglich sei. Die Opposition vermutete, dass dies dazu dienen sollte,  Wades Sohn Karim den Weg ins Präsidentenamt zu ebnen. Die Verfassung wurde jedoch nicht geändert, da der Druck der Demonstranten zu groß war und auch Kritik in den Reihen der Regierung aufkam.

Die Proteste der Bevölkerung tragen den Leitspruch „Y'en marre“ („Wir haben genug“) und sind Folge der Enttäuschung über die Politik Wades, der zu seiner Wahl im Jahr 2000 als großer Hoffnungsträger der Jugend ins Amt gehoben wurde. Doch gerade die jungen Senegalesen sind frustriert. Ihrer Meinung nach kümmere Wade sich nicht um die Belange des Volkes, sondern nur um Außenpolitik und Großprojekte, deren Finanzierung das Budget des Landes übersteigt. Große Probleme wie Arbeitslosigkeit und Armut werden nicht in Angriff genommen.

Nachdem Wade nun zum dritten Mal zur Wahl zugelassen wurde und der Sänger Yossou N'Dour, der als einer der Favoriten für das Präsidentschaftsamt galt, nicht antreten darf, da er angeblich über zu wenige gültige Unterschriften verfüge, werden die Proteste der Bevölkerung wieder lauter. Der Präsident nimmt die Demonstrationen zwar nicht ernst, die Opposition ist jedoch der Meinung, dass der Frust mittlerweile groß genug sei, die Bewegung so stark werden zu lassen wie der „Arabische Frühling“ vor einem Jahr.

B. K., 06.02.2012

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