Stefanie-Lahya Aukongo über ihre Biographie „Kalungas Kind. Wie die DDR mein Leben...

Stefanie-Lahya Aukongo über ihre Biographie „Kalungas Kind. Wie die DDR mein Leben rettete“

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Am Dienstagabend, dem 17. Dezember, besuchte Stefanie-Lahya Aukongo das Afrika Medien Zentrum und las aus ihrer Biographie "Kalungas Kind. Wie die DDR mein Leben rettete" vor.

Foto: Afrika Medien Zentrum

Am Dienstagabend, dem 17. Dezember, besuchte Stefanie-Lahya Aukongo das Afrika Medien Zentrum und las aus ihrer Biographie Kalungas Kind. Wie die DDR mein Leben rettete vor.

Stefanie-Lahya Aukongo hat eine einnehmende, lebensfreudige Art, obwohl sie in ihrem Leben schon viele körperliche und seelische Wunden davontragen musste. Ein südafrikanischer Söldner schoss ihre schwangere Mutter an, als Stefanie-Lahya Aukongo noch im Mutterleib lag. Noch immer hat sie dadurch körperliche Beeinträchtigungen.

Im Rahmen einer Solidaritätsaktion mit den Flüchtlingen aus Namibia wurden beide in die DDR geflogen, wo Stefanie-Lahya Aukongo am 13. September 1978 zur Welt kam. Nachdem Stefanie-Lahya Aukongo wieder nach Namibia zurückgeschickt werden sollte, erwirkten 1981 ihre Pflegeeltern Waltraud und Rudi Schmieder ihre Rückreise in die DDR. Wie sollte auch ein kleines Kind in der völlig anderen Welt der namibischen Owambo zurechtkommen? Ihre leibliche Mutter kannte Stefanie-Lahya Aukongo nur von einem verblichenen Foto und konnte als Kind kein nahes Verhältnis zu ihr aufbauen.

Waltraud Schmieder und ihre Töchter Ines und Petra hingegen waren für Stefanie-Lahya Aukongo die gefühlten Mütter und Ost-Berlin ihre Heimat. Auf die Frage, was sie von der DDR hält, sagte sie bei der Lesung, dass sie ihre Kindheit in der DDR als friedlich empfand. Doch heute steht sie der DDR viel kritischer und distanzierter gegenüber.

Als Stefanie-Lahya Aukongo nach der Wende an die Realschule kam, mehrten sich fremdenfeindliche Pöbeleien und Angriffe auf sie. 2006 wurde sie in Hohenschönhausen in einem Bus überfallen und kein Mitfahrer schützte die junge Frau davor. Noch heute fällt es Stefanie-Lahya Aukongo nicht leicht, das Kapitel mit diesem Vorfall vorzulesen, sagte sie bei der Lesung.

2009 machte Stefanie-Lahya Aukongo an der Hochschule für Wirtschaft und Recht ihren Diplomabschluss in Public Management. Doch trotz ihrer sehr guten Noten fand sie drei Jahre lang keinen Job. Bei den Ablehnungen hieß es immer „Sie als Schwerbehinderte wird man ja kaum wieder los“ oder „Sie sind ja schwarz“. Trotzdem hat sich Stefanie-Lahya Aukongo nie unterkriegen lassen und ist heute unter anderem als Referentin an Schulen und öffentlichen Institutionen unterwegs, um über die Schwarzen in Deutschland zu sprechen. So ehrte sie auch das Afrika Medien Zentrum mit ihrem Besuch. Als kleines Highlight brachte Stefanie-Lahya Aukongo noch ein paar Spezialitäten – einige essbar – aus Namibia mit. Stefanie-Lahya Aukongo hat mehrere Mütter, auch Kalunga, eine Gottheit des namibischen Volkes der Owambo, zählt sie dazu. Ihre Geschichte hinterließ bei den Besuchern des Afrika Medien Zentrums bleibende Eindrücke.

Kalungas Kind. Wie die DDR mein Leben rettete erschien im Oktober 2009 im rororo Verlag.

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